Dr. Brugger - IT-Training
Dr. Brugger - IT-Training

Zeiteinheiten beim Trading

In der Abbildung unten wird der Kursverlauf des DAX am 21.12.2020 von 00.00 bis 19:45 auf dem H1 Chart (jede Säule repräsentiert eine Stunde) im oberen Teil der Grafik dargestellt. Der Zeitraum ist eingefärbt.

 

Der untere Teil der Abbildung zeigt genau denselben Zeitraum an - jedoch im 5 Minuten Chart (jede Säule repräsentiert 5 Minuten).

 

Zusätzlich enthalten beide Darstellungen eine Unterstützungslinie (rot), anhand derer mögliche Handelsgelegenheiten ausgemacht werden können (siehe weiter unten im Skript).

Der Bruch der Unterstützungslinie nach unten im H1 Chart (Punkt 1) lässt einen möglichen Handelseinstieg erkennen.

 

Wesentlich detaillierter ist der Bruch der Unterstützungslinie nach unten auf dem M5 Chart zu erkennen (Punkt 2).

 

An welcher Stelle könnte nun ein Trade eröffnet werden?

 

Die folgende Abbildung zeigt das oben dargestellte Szenario als Ausschnitt und stark vergrößert.

Der Bruch der Unterstützungslinie ist deutlich zu erkennen (Punkt 2). Danach schließt eine weitere Kerze unterhalb der gerochenen Linie. Im Anschluss dreht der Kurs wieder in die Gegenrichtung, um an der zuvor gebrochenen Linie nach unten abzuprallen und ein weiteres Tief (im Bereich von Punkt 3) zu generieren. Der Kursverlauf wird durch die beiden blauen Pfeile verdeutlicht.

 

Dieses Verhalten des Durchbruchs einer zuvor erzeugten Linie, mit anschließendem erneuten Anlaufen der Linie und dem darauffolgenden tieferen Schließen des Kurses wird als Pullback bezeichnet und gilt als Hinweis auf den weiteren Kursverlauf. In diesem Fall weiter nach unten. Selbstverständlich kann dieses Verhalten auch beim Bruch nach oben an einer Widerstandslinie beobachtet werden. Ähnliches gilt auch für den Bruch von Trendlinien.

 

Im Bereich von Punkt 3 kann nun ein Short-Trade eröffnet werden.

 

Wo liegt ein potentieller Stop Loss?

 

Stop Loss bedeutet: "Wie weit darf der Kurs in die entgegengesetzte Richtung gehen, bis die Position als verloren betrachtet wird und der Trade mit Verlust beendet wird."

 

Wichtig dabei ist, dass sich der Verlust in einem erträglichen Bereich befindet, um das Konto nicht schon beim ersten Trade zu zerstören.

 

Im Allgemeinen wird der Stop Loss auf das letzte markante Hoch (bzw. Tief) des Kurses gesetzt - oder wenigstens ein paar Punkte darüber (oder darunter).

 

In der Abbildung unten werden zwei mögliche Varianten des Stop Loss für dieses Setup vorgestellt.

 

Bei der klassischen Variante wird der Stop Loss oberhalb des letzten Hochs des Kurses gesetzt. Die aggressivere Variante platziert den Stop Loss ein paar Punkte oberhalb der gebrochenen Unterstützungslinie. Die Positionierung des Stop Loss wirkt sich erheblich auf den zu erwartenden Gewinn aus. Hier kommt das wichtige Thema Money Management ins Spiel, welches in einem separaten Skript ausführlicher behandelt wird.

Der Trade läuft - gibt es einen Zielpunkt (Ausstiegspunkt)?

 

Eine einfache Methode, einen Zielpunkt für einen Trade zu bestimmen, liegt in der Anwendung von Unterstützungs- und Widerstandslinien. Der Zielpunkt ist demnach derjenige Punkt (besser Bereich) an dem der Trade im Gewinn geschlossen wird.

 

Ein Blick auf den M5 Chart zeigt, dass hier keine markanten Punkte in der Vergangenheit gefunden werden können. Der Kurs liegt in der Vergangenheit (M5 Chart!) immer deutlich über dem Short Einstieg. Die Auflösung des Charts ist viel zu fein, um in dieser Darstellung Zielpunkte (Ausstiegspunkte) definieren zu können.

 

Daher wird auf einer höheren Zeiteinheit (dem H1 Chart) nach geeigneten markanten früheren Hoch- bzw. Tiefpunkten gesucht.

 

In der Abbildung unten sind deutlich mehrere ehemalige Tief- bzw. Hochpunkte zu erkennen. Eine geeignete ehemalige Unterstützungslinie ist im oberen Teil der Abbildung (auf H1) eingezeichnet und auch im unteren Teil der Darstellung (auf M5) abgetragen.

 

Bis zu dieser Linie sollte der Kurs laufen bevor der Gewinn in diesem Setup mitgenommen wird.

Das Chance-Risiko-Verhältnis beträgt bei der Anwendung des konservativen Stop Loss 1 : 1,01 und beim aggressiven Stop Loss beträgt es 1 : 1,89.

 

Ein weiteres Beispiel für den Einsatz von Widerstands- und Unterstützungslinien

 

Der Dax im M5 Chart vom 25.06.2020.

 

In der Abbildung unten sind vier Wendepunkte (Hochs bzw. Tiefs) abgetragen. Zwischen den Punkten A und C wurde zusätzlich eine Trendlinie (rot) eingezeichnet.

 

Der Kurs ist zunächst nur als Liniengrafik (Schlusskurse) dargestellt. Dies erleichtert das Erkennen von markanten Punkten im Chart.

 

An den Punkten B und D wurden horizontale Linien abgetragen, die als potentielle Unterstützungslinien (pink) betrachtet wurden. Zusätzlich ist der EMA 200 (Exponentieller gleitender Durchschnitt) als hellblaue Linie eingezeichnet.

Im nächsten Schritt wurde die Chartdarstellung auf Kerzenchart umgestellt, um weitere Elemente einfügen zu können.

 

Durch Parallelverschiebung auf den Höchst- bzw. Tiefstkurs wurde aus der Trendlinie, die sich an den Schlusskursen orientierte, ein Trendkanal aus zwei Linien. Die Darstellung unten verdeutlicht den Prozess. Ähnlich wurde mit den beiden unteren Unterstützungslinien verfahren.

Im Verlauf entwickelte sich der Kurs und bildete einen markanten Einstiegspunkt, indem er die EMA 200, die Linie des Eröffnungskurses (pink fett) und den zuvor eingezeichneten Trendkanal (doppelte rote Linien) berührte (Abbildung unten) - und in der Folge von allen nach unten abprallte.

Wieder ergeben sich mehrere Möglichkeiten einen Stop Loss zu setzen. In der Abbildung unten sind die beiden naheliegendsten Möglichkeiten eingezeichnet.

 

Nach dem Einstieg in den Trade lief der Kurs in Richtung Ausstiegsbereich, in dem der Trade mit Gewinn geschlossen werden konnte.

Das Chance-Risiko-Verhältnis beträgt bei der Anwendung des konservativen Stop Loss (oben links in der Abbildung) 1 : 1,13 und beim aggressiven Stop Loss beträgt es 1 : 3,09.

 

Im weiteren Kursverlauf ist sehr schön zu beobachten, wie aus einem ehemaligen Widerstand eine neue Unterstützung wird (im Bild unten rote Markierung).

Auch in der H1 Darstellung bietet sich eine gute (längerfristige) Trading-Gelegenheit. Beim unten eingezeichneten Trade wurde nicht zuerst der Pullback, der nach dem Durchbruch des Trendkanals stattfand, abgewartet. 

Das Chance-Risiko-Verhältnis beträgt bei der Anwendung des konservativen Stop Loss (der untere in der Abbildung) 1 : 0,85 und beim aggressiven Stop Loss beträgt es 1 : 1,6.

Trendlinien - Trendlinienhandel

 

Trendlinien verbinden mindestens zwei markante Hoch- oder Tiefpunkte im Chart und können in jedem Zeitrahmen eingezeichnet werden. Eine Trendlinie - und damit auch der Trend - gilt als bestätigt, wenn der Kursverlauf mehrmals diese Line anläuft, um danach von ihr wieder abzuprallen. Je öfter die Trendlinie bestätigt wird, desto Zuverlässiger ist der Trend.

 

Die Abbildung unten zeigt den DAX Tagechart in der Liniendarstellung mit eingezeichneter Trendlinie, die durch die Punkte eins bis drei definiert wird. Im weiteren Kursverlauf nähert sich der Preis der Trendlinie und bietet einen möglichen Einstieg in den Handel.

Die folgende Abbildung zeigt denselben Chartausschnitt, jedoch in der Kerzendarstellung (Candlestick Chart). Die Schlusskurslinie ist in rot eingetragen. Zusätzlich wurde eine zweite parallel verlaufende Trendlinie eingezeichnet. Sie wurde vom ersten klar zu erkennenden Tiefstkurs in Punkt 1 durch Parallelverschiebung der ersten Trendlinie eingezeichnet. Der dadurch entstandene Trendlinienbereich (Trendlinienzone) zeigt dem Trader nun nichtmehr punktgenau potentielle Einstiegsmöglichkeiten an, sondern definiert mögliche Bereiche für einen Einstieg.

 

Im mittleren Bildabschnitt ist ein solcher Einstiegsbereich deutlich zu erkennen. Der Tiefstkurs testet den oberen Trendlinienbereich an und prallt im weiteren Verlauf nach oben ab. Zusätzlich wurden zwei mögliche Long-Handelseinstiege in diesem Bereich eingezeichnet. Wichtig ist - wie bei allen Trades - immer einen Stop Loss festzulegen. Daher werden auch in dieser Darstellung nicht nur die Einstiege, sondern auch eine mögliche Verlustbegrenzung (für den Fall, dass der Kurs nach dem Einstieg die Trendlinien nach unten bricht) dargestellt.

Mit dem Einzeichnen einer unteren oder oberen Trendlinie bzw. Trendzone ist die technische Analyse meist jedoch nicht beendet. Spätestens nach dem in der Abbildung oben gezeigten Einstieg wird der Trader sich fragen müssen an welchem Punkt ein möglicher Ausstieg aus dem Trade stattfinden kann.

 

Hierfür kann wiederum im Linienchart die zuerst eingezeichnete Trendlinie parallel nach oben kopiert werden bis im oberen Bereich mindestens zwei Punkte miteinander verbunden werden (Abbildung unten).

In einem weiteren Schritt kann auch im Bereich der oberen Trendline - nachdem die Kerzendarstellung aktiviert wurde - eine weitere Trendlinie durch Parallelverschiebung eingezeichnet werden. Ihr linker Startpunkt orientiert sich nun am letzten markenten Höchstkurs (Abbildung unten). Nachdem alle vier Trendlinien abgetragen wurden, ist ein sogenannter Trendkanal entstanden.

 

Jetzt ist es auch möglich, für den (viel zu früh initiierten) Trade weiter oben im Skript einen Ausstiegspunkt zu definieren. Dies könnte z.B. die Berührung des Kurses des oberen Trendbereichs sein.

 

Die Abbildung unten verdeutlicht dies.

Damit sind alle wichtige Kriterien für den Trendhandel mit Trendlinien erfüllt:

 

  1. Trendlinien mit Bestätigung durch den Kurs einzeichnen (oben und unten)
  2. Trendzonen ermitteln (oben und unten)
  3. Abwarten bis die Trendlinie bzw. der Trendbereich durch den Kurs getriggert (berührt) wird.
  4. Einstiegspunkt suchen
  5. Verlust durch Stop Loss begrenzen
  6. Chance-Risiko-Verhältnis grafisch ermitteln (durch Definition eines Ausstiegspunktes) und damit die Wertigkeit des Trades festlegen

 

Ausgehend von der ersten Chart Darstellung in diesem Skript (Abbildung unten) können nach eingehender Analyse des Trends weitere kleinere Trends im Rahmen des übergeordneten großen Trends eingezeichnet und auch gehandelt werden.

 

Die Abbildung unten zeigt einen Ausschnitt des zuvor erstellten Trendkanals im D1 Chart. Ausgehend vom Einstiegsbereich im übergeordneten Trendkanal (auf D1) kann nun ein weiterer untergeordneter Trendkanal auf einem kleineren Zeitrahmen (hier M15) innerhalb des Hauptkanales ermittelt und gehandelt werden. Die beiden roten Pfeile zeigen zwei mögliche Einstiege. In der hier leicht gedehnten Darstellung fällt auf, dass es wesentlich schwieriger ist, potentielle Kursziele zu ermitteln. Bei keinem der beiden Einstiege wird der obere Trendkanal als Kursziel erreicht. Hier könnte z.B. nach den Regeln der Markttechnik (durch nachziehen der Stops auf höhere Hochs bzw. höhere Tiefs) gehandelt werden.

Selbst auf kleinstem Zeitrahmen (für den Metatrader ist das in der Standardeinstellung der M1 Zeitrahmen) können noch Trends ermittelt und gehandelt werden. In der Abbildung unten wird ein sehr kleiner Ast des übergeordneten Trends auf dem D1 Chart (schwarzer Kreis) in den M1 Chart aufgelöst (rechter Bildkasten).

Wichtig dabei ist aber immer die alte Regel "Der Trend ist dein Freund." zu beachten. D.h. der Trader muss beim Trendhandel immer den übergeordneten Chart im Auge behalten und in dieser Richtung handeln. Dies bedeutet jedoch nicht, dass nicht auch Rücksetzer von der oberen Trendlinie auf die untere gehandelt werden können. Der Trendhandel in Richtung des übergeordneten Trends ist ganz einfach mit einer statistisch höheren Trefferquote belegt, als der Handel gegen den Trend.

 

Für die Analyse eines Charts ist es eine gute Strategie, sich in den Zeitrahmen von oben nach unten bis hin zu seinem Lieblingszeitrahmen zu arbeiten.

 

Eine erste Analyse sollte daher mindestens auf dem D1 Chart (oder auch höher) erfolgen, um den übergeordneten Trend zu erkennen. Danach können in logischen Sprüngen (z.B. D1 nach H1 nach M30 nachM5) tiefere Zeitrahmen untersucht werden. Wobei natürlich nicht jeder Zeitrahmen untersucht werden muss. Diese Arbeit geht schnell und verschafft dem Trader Sicherheit.

 

Steigung der Trendlinie bzw. des Trendkanals

 

Im Allgemeinen sollten Trends eine moderate Steigung aufweisen. 45 Grad Steigung nach oben oder nach unten werden in der Literatur als günstig und handelbar dargestellt (Abbildung unten).

Sehr steil ansteigende Trendverläufe neigen dazu nur kurzzeitig anzuhalten, weil die Akteure am Markt den Kurswert ohnehin als überhitzt empfinden. Dennoch kann sich der kurzfristige Handel eines solchen Trends lohnen, wenn ein früher Einstieg und ein ebenso früher Ausstieg aus dem Trade gefunden wird. In der Abbildung unten wird ein sehr steil ansteigender Trendkanal im H1 Chart des DAX dargestellt.

Das Gegenstück bilden sehr flach verlaufende Trends mit einem Winkel deutlich unter 45 Grad (Abbildung unten). Im Gegensatz zum steil verlaufenden Trendkanal erstreckt sich der flache Trend meist über einen längeren Zeitraum und spiegelt Phasen geringer Volatilität wider. Sehr flache Trendverläufe können auch als Box Range interpretiert werden.

Umkehrformationen

Trendumkehrformation

 

Werden in einer Chartdarstellung bestimmte Kursmerkmale (z.B. Candlesticks oder Linienformationen) erkannt, anhand derer sich eine mögliche Umkehr des vorherrschenden Trends ablesen lässt, spricht der Charttechniker von einer Trendumkehrformation.

 

Eine der bekanntesten Formationen zur Anzeige einer Trendumkehr ist die Schulter-Kopf-Schulter Formation (SKS). Diese Formationen treten in allen Zeitrahmen auf und sind umso verlässlicher je höher der gewählte Zeitrahmen ist.

 

Im folgenden Beispiel wird eine SKS auf kleinem Zeitrahmen betrachtet.

 

Die Abbildung unten zeigt eine sehr kleinmaßstäbliche SKS Formation im DAX auf dem M5 Chart. Deutlich ist am Ende des Aufwärtstrends die Ausprägung der Formation zu erkennen, die mit einem Bruch der Trendlinie nach unten ganz nah im Bereich der Nackenlinie vollständig ausgebildet ist. Die Nackenlinie wird durch die letzten Tiefs der Formation gezeichnet und verläuft nicht immer horizontal, sondern ist sehr oft leicht nach oben geneigt - seltener nach unten.

In der folgenden Abbildung wird der Chart durch Hinzufügen weiterer Kriterien verfeinert und mögliche Handelseinstiege und Ausstiege werden aufgezeigt. Alles mit den im Metatrader 4/5 standardmäßig vorhandenen Boardmitteln.

 

Der Einstieg in den Trade erfolgt, nachdem die erste 5 Minutenkerze unterhalb der Nackenlinie (und in diesem Beispiel auch unterhalb des Trendbereiches) schließt. Der Stop Loss wird ermittelt, indem eine senkrechte Linie (blau) von der Nackenlinie in Richtung des höchsten Punktes des Kopfes der Formation gezogen wird. Diese Linie wird nun - wiederum ausgehend von der Nackenlinie - senkrecht nach unten projiziert. Der untere Endpunkt dieser Linie definiert einen möglichen Ausstiegspunkt. Durch dieses Vorgehen weist der unten dargestellte Trade ein schlechtes CRV von 1:1 auf - liegt aber im Plus. Zu beachten ist auch, dass das Volumen (grüne Balken im unteren Bereich des Charts) im Verlauf der Ausbildung der SKS Formation von der Bildung der linken Schulter bis zur Ausbildung des Kopfes abnimmt. Erst im Verlauf der Entwicklung der rechten Schulter steigt das Volumen wieder an. Dies ist für SKS Formationen typisch.

Alternative Ein- und Ausstiege in diesem Beispiel.

 

Die Abbildung unten zeigt ein leicht abgewandeltes Setup mit besserem (aber immer noch nicht gutem) CRV von 1,3 zu 1. Der Einstieg in den Trade wurde auf den tiefsten Punkt der rechten Schulter verschoben. Der Ausstieg erfolgt an dem Punkt, an dem der Kurs den Aufwärtstrendbereich zuletzt berührt und von diesem Bereich wieder nach oben abgeprallt war. 

Die Abbildung unten zeigt die Position auf dem H1 Chart an der der kurzfristige Trade ausgeführt wurde.

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© Dr. Frank-Hartmut Brugger